Panama: Abschied von den San Blas-Inseln

Die Tage in der San Blas-Inselwelt verlaufen sehr entspannt. Die Inseln, die wir besuchen ähneln sich darin, dass sie von Indigenen bewohnt werden, die sich der traditionellen Lebensweise verschrieben haben. Wie schon im vorherigen Beitrag beschrieben, leben sie weitgehend autonom von der übrigen Bevölkerung Panamas, ernähren sich hauptsächlich vom Fischfang und dem Ertrag ihrer Bananen- oder Kokusnussplantagen, wohnen in selbstgebauten Hütten aus Bambus und Schilf und bestreiten insgesamt ein Leben weit weg von unserer modernen westlichen Lebensweise mit all ihren Annehmlichkeiten. Die Menschen sind sehr naturverbunden und machen auf mich einen zufriedenen Eindruck. 

Die Palmeninseln auf weißem Sandstrand sind zum Teil erstaunlich klein, aber selten gibt es eine Insel ohne jegliche Behausung. 

An einem Abend nähern wir uns der kleinen rundlichen Insel Mariaduadup. Im ersten Moment sehen wir keine Hütten und wähnen sie unbewohnt. Aber kaum, dass wir den Anker fallen lassen, kommt uns ein älterer Fischer in seinem Einbaumkanu, dem Ulu, entgegen und bietet uns für 10 Dollar seinen Tagesfang von fünf mittelgroßen Fischen an, die er mit dem Sperr zuvor erlegt hatte. Auch bittet er uns darum, sein Handy aufzuladen (diese Bitte kennen wir auch von anderen Inselbewohnern an unseren Ankerplätzen). 

Am nächsten Morgen holt er sein geladenes Handy wieder ab und lädt uns ein, seine Frau und Tochter an Land zu besuchen. Die Familie wohnt in einer winzigen Hütte mitten im Palmenwald. Die Kochstelle besteht lediglich aus einer überdachten und ansonsten offenen Feuerstelle. Aber so wie wir es bereits mehrmals erlebt haben, tragen Mutter und Tochter an der Hütte gelehnt und auf dem nacktem Boden sitzend die farbenprächtige traditionelle Kleidung, einen goldenen Halsschmuck sowie bunte Perlenbänder an den  Armen und Beinen. Nach gegenseitiger Begrüßung, sie sind nicht sehr redselig, setzen wir unseren Spaziergang auf der Insel fort.

 Am nördlichsten Punkt entdecken wir einen schönen Platz mit drei weiteren Hütten unter Palmen. Hier werden wir von einem Indigenen im mittleren Alter begrüßt, bei dem ich mir zunächst nicht sicher bin, ob Frau ob Mann. Ich gehe davon aus, dass es sich um einen Transvestiten handelt. Wie ich in einem Bericht gelesen habe, geht die indigene Bevölkerung ganz offen mit Diversität um. Sein Freund mit langem Haar und recht weiblichen Gesichtszügen schlägt uns Kokosnüsse auf und bringt uns auf Nachfrage eine riesige Papaya. 

Eine der drei Hütten dient als Verkaufsstand für Molas und weiterem handgestickten Dekoartikeln oder Taschen. Ich schaue mir die verschiedenen Motive der Molas an (meist Tiermotive oder abstrakte Muster) und entscheide mich dafür, noch einmal eine der handgefertigten und wunderschön gearbeiteten Molas zu erstehen. Ein wenig fühle ich mich auch moralisch dazu verpflichtet, etwas zu kaufen. Denn auf dieser Insel weit weg von allen touristischen Aktivitäten schauen sicherlich nicht allzu oft kaufwillige Besucher vorbei. Zum Schluss dürfen wir noch einen Blick in deren Kochhütte werfen: auch hier eine offene Feuerstelle, aber immerhin gibt es einen Tisch mit diversen Küchenutensilien, wie eine Reibe und ein größeres Sieb aus Plastik.

Vor der Hütte steht eine ganze Batterie von größeren Plastikkanistern. Wir werden darüber aufgeklärt, dass die Beiden ihr Trinkwasser aus einem Fluss am Festland schöpfen. Der Fluss liegt 9 Meilen entfernt und das Fortbewegungsmittel übers Meer ist hier ein zwar offenes Boot, aber immerhin mit Motor.

Auch wir besuchen einmal einen Fluss am Festland gegenüber von einigen bewohnten Inseln. Wir sitzen gemütlich paddelnd im Dinghi und begegnen nach einer Weile einem Indigenen in seinem Einbaum und mehreren Wasserkanistern. Er winkt und ganz ungefragt ruft er uns zu, dass das Trinkwasser geeignete Flusswasser noch ein Stückchen weiter den Fluss hinauf zu finden ist. Die Vorstellung,  dass man rein aus Vergnügen und Neugierde einen Fluss entlang fahren kann, ist ihm sicherlich fremd.

Nach vier Wochen Segeln innerhalb der San-Blas-Inselwelt, kommt dann doch der Tag des Abschieds. Wir haben die kleinen karibischen Palmeninseln mit ihren freundlichen, naturverbundenen Menschen und ihrer für uns ganz und gar exotischen Lebensweise richtig schätzen gelernt und ein Stück weit lieb gewonnen.

Auf Wiedersehen ihr schönen San-Blas-Inseln!

Ein Kommentar

  1. Hans + Bettina

    Liebe Anja, lieber Jochen,
    vielen Dank für den Reisebericht.
    Interessant fand ich, unter welchen Zuständen die Bewohner leben und wie einfach das ist. Für Trinkwasser müssen sie wahrscheinlich so weit fahren, weil bis dahin alles Brackwasser ist.
    Viele Grüße,
    Hans + Bettina

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